
Bild *MarS ~ CC
Heute war ich mal wirklich früh im Büro. Ich bin um 5 Uhr (sic!) aus dem Bett gefallen und stand um 5:35 am Bahnhof um mit dem Zug nach Düsseldorf zu fahren. Dabei fiel mir ein, dass ich noch nie so früh zu meiner jetzigen Arbeitsstelle gefahren bin, außer einmal.
Ich hatte gerade meine Ausbildung zum Bürokaufmann begonnen, als in der Firma ein Praktikant anfangen sollte. Ein 17 jähriger, schüchterner, augenscheinlich indisch Abstammender Jung kam an seinem ersten Arbeitstag zu mir und stellte sich vor mit den Worten:
„Hallo. Mein Name ist Ben Laster und ich soll hier heute anfangen.” (Name verändert)
Selbstverständlich hatte man es nicht für nötig gehalten mir irgendeine Information oder Aufgabe über/für den Neuen zugeben. Also gab ich zurück:
„Hallo Mein Name ist Stürmer und ich habe keine Ahnung was du ab heute hier machen sollst.”
Wir kamen ins Gespräch und seine Körperhaltung, Stimmlage und der Sand in den Augen erklärten mir besser als jedes Wort, dass er eigentlich lieber im Bett wäre als hier. Er erklärte sich, dass er das Praktikum für die Schule brauchen würde und dass Ihm die Chefin schon von mir erzählt habe. „Wunderbar”, dachte ich mir „ich hätte auch gerne was gewusst.”
Jetzt hab ich den Salat. Es ist früh und ich habe einen Hiwi, für den ich keine Aufgabe habe. Ich habe versucht Ihn wenig Ablage und Kopierarbeiten durchführen zu lassen, aber irgendwann musste er ran. Ich sah Ihn immer wieder stöhnen über die Massen von Papier, die ich Ihm verbunden mit kurzen Arbeitsaufträgen immer wieder reinreichte.
Ein langer Tag im Büro, viel zu tun und ein Praktikant der weniger Lärm verursacht als eine Taubstummenkaffeefahrten ließen mich den young Feller schnell vergessen. Erst gegen 16:30 Uhr machte er auf sich aufmerksam.
„Sie rauchen doch, oder?”
„Ja das tue ich.”
„Kommen Sie mit?”
„Wieso nicht.”
Er lud mich zum rauchen ein. Wo blieb mein Benimm? Das wäre wohl der Höflichkeit halber mein Part gewesen. Schwamm drüber.
Die Zigarette schmeckt. Das Gespräch schleppt sich. Außer die Arbeit finden wir spontan keine Themen. Mein Interesse ging stressbedingt gegen null.
Zurück im Aufzug allerdings wird mir ganz anders. Wir betreten die Kabine und stehen in dem etwas mehr als 1qm großen Fahrstuhl.
„Du Thomas? Was für eine Augenfarbe hast du?”
Ben Laster, der Praktikant, der mich gerade wenige Stunden kennt und mich noch vor 3 Sekunden gesiezt hat, tritt einen schritt im winzigen Aufzug an mich heran und spricht diese Worte.
Ich bin verwirrt. Hat der gerade wirklich nach meiner Augenfarbe gefragt? Hat der dich jetzt geduzt? Der steht keine 30 Zentimeter von mir weg – eindeutig in meinem Aufzugspersönlichkeitsbereich den ich nicht gerne verletzt weis von Männern – und fragt nach meinen offensichtlich grünen Augen. Jetzt ist guter Rat teuer. Wie verhalte ich mich bloß. Ich kann nicht zu lange geschockt sein. So ewig dauert die Fahrt in die vierte Etage nicht.
„Also eigentlich habe ich meistens rote Augen vom feiern, aber heute sind sie grün. Und weil wir noch nicht feiern waren würde ich auch gerne vorerst beim SIE bleiben. Einverstanden?”
Er nickt und senkt den Kopf. Keine 10 Minuten später steht er mit seiner Tasche vor mir und fragt ob ich auch jetzt Feierabend machen würde. Ich habe freiwillig eine Stunde mehr getan an einem Tag an dem ich schon sau früh im Büro war. Ben Laster ging mit hängendem Kopf nach Hause. Am nächsten Morgen kam er weg von mir ins Sekretariat.
Glück gehabt – schwitz -